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Das Erscheinen seines letztes Buches "Little Prayers & Finite Experience" erlebt Paul Goodman selbst nicht mehr.
Nach einem Schlaganfall und einer Reihe von Herzattacken stirbt er am 2. August 1972 in seinem Landhaus in New Hamshire. Noch einen Monat und 1 Woche später wäre er 61 Jahre alt geworden. Paul Goodman liegt auf dem Friedhof von New Hampshire neben seiner Schwester Alice und seinem Sohn Mathew.

ImageÜbersetzt: "Stossgebete" und "anderes über mich" Interlinearübersetzung d.Poems: Suzanne Legg. Übersetzung v. Finite Experience: Stefan Blankertz, Gestalttherapeut, Autor, Goodmankenner- und Verehrer.


Aus Kapitel II "Begrenzung der Politik"

Künstlerische Visionen haben ihren Wert. (Man wird mich nicht schlecht vom Schöpfergeist reden hören.) Sie sind besser als Nörgelei. Sie sind dem Menschen eine Laterne und führen nicht ins Dunkel methaphysischer Unausweichlichkeit. Aktivismus und Ideologie schaden mehr, als sie nützten. Kunst dagegen beeinhaltet künstlerische Selbstgenügsamkeit, die unpolitisch ist. An der Verwirklichung meiner Visionen habe ich kein sonderliches Interesse. Weil sie ganz persönlich sind, verstecken sich die Visionen gern. Sie verschaffen mir nicht die Unterstützung meiner Mitmenschen.
Ich kann nicht führen, weil man kann mich nur schwer führen.

Aber ich will meine Zurückhaltung auch nicht übertreiben. Wie jeder andere Mensch bin ich mit Empörendem konfrontiert, das mich bei der Gurgel packt, und fraglos sehe ich es als meine Angelegenheit an. Verunglimpfungen der Schönheit der Welt entrüsten mich stets. Eine Atmosphäre von Lüge, Trivialität und Gemeinheit macht mich augenblicklich krank. Die herrschenden Kräfte wissen nicht, was Großzügigkeit bedeutet; oft sind sie schlicht offitiös und arrogant. Man versucht nur, wie Malatesta sagte, ein anständiges Leben zu führen, doch die Herrschenden mischen sich ein, und dann behaupten sie, man selbst sei am Kampf schuld, der sich daraus ergibt. Am Schlimmsten finde ich, daß sich aus den Handlungen der Herrschenden, die die Erde zu zerstören drohen, ablesen läßt, daß sie durchgedreht sind, zu jedem Frevel bereit; und sie werden Verderben über sich und alle jene bringen, die mit ihnen verbunden sind. Manchmal befällt mich eine abergläubische Angst, zu selben Stamm wie sie zu gehören und auf ihrem Boden zu wandeln. Doch nein. Menschen haben ein Recht darauf, verrückt, dumm oder anmaßend zu sein. Darin besteht ja unsere Eigenart. Wir machen nur den Fehler, jeden mit kollektiver Macht auszustatten. Anarchie ist die einzige sichere Politik.

 
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