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Nach seinem Erscheinen zog das Buch "Gestalt Therapy" seine Kreise und progressiv denkende Intellektuelle und Künstler reihten sich in die erste Generation der Gestalttherapeuten ein. Die Perls lernten durch Goodman interessante Persönlichkeiten kennen, mit denen wertvolle Zusammenarbeit entstand, sei es in der Form, daß sie die ersten Klienten von Laura oder von Fritz wurden oder- und an der Entwicklung der Gestalt Therapie mitarbeiteten.
Es waren Ellioth Saphiro und Paul Weisz, die bei Laura eine Therapie machten und zugleich bei ihr das Handwerk lernten, sowie Paul himself. Mit ihnen und zwei Dokumentarphotographen gründete Laura Perls die (erste GT-Gruppe überhaupt!) Ausbildungsgruppe, die sie "Gruppe der Genies" nannten. Fritz Perls tat sich mit Isadore From in Los Angeles zusammen und rief auch eine Gruppe ins Leben, die die Basis für das spätere "New York Institut for Gestalt Therapy" sein sollte. Photos von Gestalten der Gestalt Therapy ausführlich dort. (http://www.gestalt.de/)

Ralph Hefferline
Ralph Hefferline
Paul B. Weisz
Paul B. Weisz
Miriam und Erving Polster
Miriam und Erving Polster
Isadore From 1950
Isadore From 1950

Paul Goodman erhielt für die Lektur von GT damals das Honorar von 500$ Dollar, das ihn seine Miete über viele Monate sicherte. Hier ein Ausschnitt an seinen ehem. College-Kollegen Ben Nelson über das Lektorat von Perls: "...ich arbeite mich zu Tode an dem Buch, das ich mit Perls mache und das sich als höchst erstaunlich herausgestellt hat. Ich habe dem gestalt-psychoanalytischen Fundament eine Menge ‘Existenz’ hinzugefügt, und die Ergebnisse für die therapeutische Praxis muten seltsam an- aber Perls besteht auf deren Richtigkeit. Es scheint, als hätte ich das Geheimnis".

Um ein paar inspirierende Denker zu nennen, die auf die Gründer der GT und deren Entwicklung Einfluß hatten: da waren D. Snygg und A.W. Combs (Phänomenologen), Ernst Cassierer, Waldo Emerson, Kurt Goldstein, H. S. Sullivan, G.H. Meads und Miriam und Erving Polster. Daniel Rosenblatt war der Fellow der GT und leitete das NY - Gestalt-Institut.
Goodmans Fokus lag in den 50'ger Jahren insbesondere in der Anwendung- und in der Beschäftigung mit Gestalttherapie. Er praktizierte bald selbst in seinem Loft in der West 23nd Street. So heuerte Paul seine ersten Clients aus seinem Freundeskreis an. Er verlangte dafür den Stundenlohn eines Handwerkers. (O-Ton: "...was nimmt ein Schreiner pro Stunde?") Ein Schüler von ihm war George Dennison, mit dem er bis zu seinem Lebensende eine sehr vertraute enge Freundschaft unterhielt. übrigends war es gar nicht so leicht, mit Goodman befreundet zu sein; Man mußte ihm schon das Wasser reichen können!

Goodmans Konzept als Therapeut und Tabubrecher war seinem Wesen entsprechend nicht konventionell. Eine apodiktische Trennung zwischen privater-und therapeutischer Sphäre lehnte er ab. Primär war das ganze für ihn ein Unternehmen, die Entfremdung und Spaltung des Menschen von seiner Gemeinschaft zu überwinden. Die kreative und freie Anteilnahme am Leben anderer (GT-Gruppe), jenseits von Einschränkungen, sollte so in ihrer Entfaltung gefördert und ungestört begleitet werden können. Ich zitiere Paul Goodman: "...Heilung kann sich nicht losgelöst von der Kultur ereignen, denn in unserer Zeit bedarf die Kultur selbst der Heilung". Sein Ideal war: weg von der "Massengesellschaft", hin zum "face to face". Im Umgang mit seinen männlichen Klienten und Schülern akzeptierte Paul keinen "Abstinenz Usus", denn es gehörte zu seinem politischen Selbstverständnis, zu seiner zB. Bisexualität zu stehen und sie anzunehmen und sie aufzuarbeiten, wenn nötig. In den Kreisen der GT war das bekannt und man sagte über ihn, daß man Paul nicht trauen konnte, betrat ein hübscher Kerl den Raum. Goodmans Art als Therapeut entsprach mehr der eines Soziotherapeuten, als der eines "klinischen", weil er immanent seine Weltanschauung miteinfließen ließ. 10 Jahre behandelte er insbesondere "gehemmte Intellektuelle" und "blockierte Künstler". Sein Feld war nicht das, der schweren Störungen im klinischen Falle wie zB. strukturelle Persönlichkeitsstörungen.

 
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