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timeline 1943 - 1945 (paul ist 32-34 jahre alt)
Massenimmigration von Schwarzen aus den Südstaaten bringt Armut und Verzweiflung nach Harlem - Unruhen | Am 6.8.1945 warfen die Amerikaner die erste Atombombe auf Hiroshima | Mietschutz wird eingeführt | Allan Ginsberg, Jack Kerouac und William Burroughs treffen sich in NY | Entstehung einer Lesben-, Schwulen- und Transvestitenszene in den liberalen Großstädten wie San Francisco und NYC.

Don Juan
1. Ausgabe im Eigenverlag
In den Jahren 1941-1942 entsteht "Don Juan" or, "The Continuum of the Libido".
Das Buch illustrierte sein Bruder Percival.
Dieses ungewöhnliche, in keine literarische Gattung einzuordnende Buch wiesen alle Verleger auf Grund der offenen Behandlung der Sexualität zurück; es erschien vollständig erst nach Goodmans Tod. Indem er dieses "Museum der Libido" (so seine eigene Charakterisierung des Buches) schrieb, lehnte er die Anpassung an seinen Ruf als ein "Avantgarde-Phänomen" und den Kompromiss mit der Kulturindustrie radikal ab. Offenheit der Sprache empfand er als Voraussetzung für gute Literatur. Er gebrauchte sexuelle Themen jedoch nie als "unterhaltsame Provokation", sondern im Rahmen einer kritischen Auseinandersetzung mit den "Fakten des Lebens", die den Leser mit einbezog. (Text über das Buch von Stefan Blankertz).
The State of Nature
The State of Nature

1945 erscheint sein "The State of Nature". Für den "home-grown" Existenzialisten Goodman beginnen harte Jahre. Um 1942 scheitert seine Ehe mit Virginia Miller und Paul Goodmann lebt eine Weile "homeless" auf der Straße. 1943 findet er eine Lehrerstelle in einem Internat, wo er mit seiner 4 jährigen Tochter Susan auch umsonst wohnen kann. Die sicheren Zustände dauern ein paar Monate, dann wird er suspendiert wegen Verführung seiner Schüler. Die Sekretärin des Internats, Sally Ducksen und Paul Goodman hatten in der Zeit eine Verbindung aufgebaut und beschlossen, als Paar zusammenzuziehen. In Chelsey fanden sie eine kleine Wohnung.

Die USA ist im Krieg und zieht alle wehrdienstfähigen Männer ihres Landes ein. Paul, der natürlich ganz klar Stellung als "draft dodger" (Kriegsgegner) bezieht, erfährt wegen dieser, seiner Weltanschauung von allen nur erdenklichen Seiten totale Ablehnung. Stefan Blankertz über Goodmans politisch konsequente Haltung: "Die Frage, ob ein Revolutionär den Wehrdienst in jedem Falle verweigern sollte, oder das ‘kleinere übel’ zu wählen habe, war unter den progressiven Literaten und radikalen Linken heftig umstritten. Bereits während des Krieges sah Goodman den deutschen Faschismus nicht als ‘Natur’-Katastrophe an, sondern als Folge auch der Vorkriegspolitik der Vereinigten Staaten. Der Mehrheit des amerikanischen Volkes war bis zum Kriegsausbruch dies zumindest vage bekannt. Die ‘Isolationisten’ (http://de.wikipedia.org/wiki/Isolationismus) vermochten jedoch keine wirklichkeitsmächtige Politik zu entwickeln. Dieser Zusammenhang wurde im Krieg auch und gerade von den Linken vergessen, verdrängt und seine Benennung stigmatisiert. Gegen die Logik vom ‘kleineren übel’ lautete Goodmans Argumentation: Wenn es in einer konkreten Situation nur die Wahl zwischen einem ‘größeren’ und einem ‘kleineren’ übel gäbe, hätten wir, die Bürger, politisch etwas falsch gemacht. Anstatt uns der Wahl zu unterwerfen, müßten wir den Fehler ausfindig machen und mit aller Kraft beseitigen. Auf den Weltkrieg bezogen hieß das für Goodman: Anstatt zwischen faschistischem Terror, demokratischem Imperialismus und totalitärem Stalinismus zu wählen und dabei - was immer man wählte - selbst zum Millitaristen zu werden, forderte er nun erst recht zum konsequenten Pazifismus auf. Diese überlegung fand nur Verständnis bei den Anarchisten."(Zitat Ende).

Nahe Freunde, Intellektuelle aus der Avantgardszene, und sogar seine kommunistischen Freunde, von denen er das nie vermutet hätte, lassen ihn eiskalt fallen und kündigen ihm Freundschaft und Support bei Publikation. Strange und traurig zugleich; die Prokriegspropaganda muss sich wie ein böser Virus unter seinen Freunden und Unterstützern verbreitet- und sie alle angesteckt haben. Wie gut, daß er dagegen geimpft war; sein Preis dafür war hoch. Goodman wird auf die "schwarze Liste" unerwünschter Künstler gesetzt und steht mit einem Fuß im Gefängnis. Paul war nicht einer, der aufgibt. Er ermutigt trotz allem weiter öffentlich junge Leute, den Dienst an der Waffe zu verweigern. Paul Gooman muss sich dem Einberufungskommite stellen, bei dem er ausführliche Reden über Pazifismus hält; rechnet damit deshalb sofort verhaftet zu werden; wird aber gottseidank wegen schlechter Sehkraft und Hämoriden ausgemustert.

 
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