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1938 - 1939 timeline (paul ist 27-28 jahre alt)
Charles F. Carlson erfindet das Xeroxverfahren in Astoria, Queens | Die Radiosendung "The War of the Worlds" von Orson Welles sorgt für Panik in der Stadt | 22.000 Zuschauer kommen zur Nazi "Americanism" Rally im Madison Square Garden | Die New Yorker Weltausstellung zählt 45 Mio Besucher in Queens | Physikern an der Columbia University gelingt es, das Atom zu spalten.

Er analysiert sie mit Hingabe und rezensiert sie. Das ist ein wesentliches Merkmal seiner Letters. Sämtliche Werke großer Denker, Dichter und Wissenschaftler sind eine Goldgrube für ihn, ohne die die Gestalttherapie nie zu dem geworden wäre, was sie ist; aus vielen Einflüssen und Anleihen begründet, was "en groß" Paul Goodman zu verdanken ist. Es scheint mir, nahezu niemand war vor seinem brillianten und scharfen Verstand sicher.

Eine kurze Rezension von Paul Goodman zu Rilke:

"Aus den Gedichten an die Nacht" Rilke
Ist Schmerz, sobald an eine neue Schicht
die Pflugschar reicht, die sicher eingesetzte,
ist der Schmerz nicht gut? Und welches ist der letzte,
der uns in allen Schmerzen unterbricht?
Wieviel ist aufzuleiden. Wann war Zeit,
das andre, leichtere Gefühl zu leisten?
Und doch erkenn ich, besser als die meisten
einst Auferstehenden die Seligkeit
Die Antwort von Goodman
My world, my only! as I see
soberly the necessity
so I fail, and my hurts
are measurde to my just deserts.
fine! as every truth is fine.
But that I change to do not find
nor that I triumph by ambracing my
fate, nor that suffer less

Meine Welt, meine einzige! Wie ich, nüchtern die Notwendigkeit erkenne, daß ich eben scheitere, und meine Schmerzen an meinen gerechten Belohnungen gemessen werden: Wunderbar! So wie jede Wahrheit wunderbar ist. Aber daß ich mich verändere, kann ich nicht sagen, noch daß ich triumphiere, indem ich mein Schicksal umarme, noch daß ich weniger leide.

Kurzes von Kierkegaard, mit dem sich alle drei Begründer der Gestalttherapie intensiv befassten, was auf methodische und theoretische Aspekte der Gestalt Therapie Einfluß nahm:
"Es gibt eigentlich nur eine einzige Qualität, das ist die Individualität. Hierum dreht sich alles, und daher kommt es auch, daß jeder von sich selbst qualitativ versteht, was er über andere quantitativ versteht. Dies macht die Individualität aus, aber nicht jeder Mensch will sie haben."
Aus der Vorlesung von Karl Jaspers "über Vernunft und Existenz", gehalten 1935 an der Universität Groningen (Niederlande) über Kierkegaard und Nietsche. (http://www.virtusens.de/walther/n_kierk.htm) Sehr zu empfehlen!
Kurzes von Satre:
"Wenn die Existenz dem Wesen vorausgeht, das heißt, wenn die Tatsache, dass wir existieren, uns nicht von der Notwendigkeit entlastet, uns unser Wesen erst durch unser Handeln zu schaffen, dann sind wir damit, solange wir leben, zur Freiheit verurteilt..."

Goodman’s Nachlaßverwalter Taylor Stoehr schätzt die Anzahl seiner Poems und Essays auf über 3000. Sie liegen "nur mit Titel" uneinsehbar von Berlin aus für mich, an der Harvard Universität. Hier der Link, um sich die Dimension zu verdeutlichen. (http://oasis.harvard.edu:10080/oasis/deliver/~hou00031)
Ich möchte einige Titel seiner Werke daraus aufführen, um die Vielseitigkeit der Themen, mit denen er sich auseinandersetzte, zu zeigen. (not sortet by year...)

Untitled essay on "the definition of law", 1931 - "The contract", a morality for May Day, 1934 - "First piece for the theatre", 1934 - "Altho the night’s blackness was more and more firmly entrenching itself. . .", unknown year - "The chorus as creator", 1933 - "A critique of art-production", 1935 - "Higher and lower education", 1936 - "The moral idea of money", 1933 or 1934 - "Music as invention", 1936 - "The Proustian camera eye", 1934 - "The Anti- Semite", 1933 or 34 - "Essays on philosophy and literary criticism", includes the essay on "I wandered lonely as a cloud", 1936-1939.

Um am letzten Essaytitel anknüpfen: Paul Goodman, der seine Mikrogemeinschaft aus NYC so vermisste, suchte und fand seine neue Familie in Chicago. Er, als "Outsider" brauchte immer einen festen, liebevollen Stützpunkt.

 
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