05

timeline 1934 (paul ist 23 jahre alt)
Nelson Rockefeller lässt das von ihm in Auftrag gegebene Diego Rivera Fresko vernichten, weil Lenin darin erscheint | Das Apollo Theatre wechselt den Besitzer und Schwarze haben Zutritt; Bessie Smith singt zur Eröffnungsfeier.

Paul Goodman, der immer wieder auf der Suche nach seiner literarischen Identitätsfindung ist, vertieft sich in die Schriften des Andre Gide; verehrt Jean Cocteau, mit dem er sich sehr verbunden fühlt im Nonkonformismus aus Prinzip, in der der ewigen Selbstsuche die Schatten seiner Seele erforschend, und dem Hadern mit der Gesellschaft und mit sich, dem ganzen Ausdruck verleihend durch die Medien der Malerei, des Theaters und des Schreibens. Wie Goodman bekannten sich beide zur griechischen Neigung, was sie um so mehr verband. Cocteau war ein großes Vorbild für die Homosexuellen und ein Universalgenie. Einige Cover sind von ihm illustriert auf den Werken von Goodmann und Ned Rorem.

Andre Gide - Schrifteller
Andre Gide - Schrifteller
Jean Cocteau - Surrealist, Regisseur, Maler, Schreiber, Choreograf
Jean Cocteau - Surrealist, Regisseur,Maler, Schreiber, Choreograf
Homophilität galt als "sexuell abartig". Man riskierte Gefängnis dafür und musste mit dem Verlust seiner Arbeit und grausamen Angriffen rechnen. Ich ziteriere Paul Goodman: "meine homo sexuelle Veranlagung hat mich auf einschneidende Weise zum Nigger gemacht. Besonders deutlich zeigte sich das natürlich an der willkürlichen Brutalität, der ich von Bürgern ebenso wie seitens der Polizei ausgesetzt gewesen bin".

 

Goodman stand immer offen zu seiner Neigung "beeing queer". Später (1969) bringt er das in "the politics of beeing queer", zusammen mit psychologischen Essays in "Nature Heals" zu Papier. (http://de.wikipedia.org/wiki/Queer) Er schreibt über seine Isolation als Schwuler: "offen gesagt, meine Erfahrung mit radikalen Gemeinschaften läuft darauf hinaus, daß sie meine Freiheit nicht tolerieren. Dennoch trete ich ohne Vorbehalte für Gemeinschaft ein, weil sie zum Menschsein gehört; nur bin ich scheinbar dazu verurteilt, ausgeschlossen zu sein."

Nature Heals
Nature Heals
Der Autor David S. Churchill über Goodman: "Für Goodman war Sexualität Teil des sozialen Bedürfnisses nach Zugehörigkeit, nach partizipativer (Staats-) Bürgerschaft und politischer Möglichkeit. Als jemand, der eine freiere, vielgestaltigere und ausdrucksstarke Sexualität befürwortete, war Goodman selten im Amerika des Kalten Krieges. Er war jemand, der keine Angst hatte, sein persönliches Leben und seine Erfahrung mit der Kritik an sozialen Verhaltensweisen, Regeln und Sitten zu verbinden. Das Leben und die Arbeit Goodmans liefern eine Schlüsselperspektive für eine breitere Auseinandersetzung mit den Anliegen der Sexualität, der Geheimniskrämerei, der Pornografie und der Zensur, mit Homosexualität und Identität, sowie mit den Parametern, aber auch dem Erzwingen, von normativem Verhalten."

Erstes Praktizieren seiner pädagogischen Philosophie. 1934 wurde Paul eine Beratertätigkeit und Honorarstelle für Dramaturgie in einem zionistischen Jugendlager in Vermont angeboten. (http://de.wikipedia.org/wiki/Zionistisch) Paul unterrichtete seine ersten Schüler mit Spaß und großem Enagement und brachte ihnen Moliere und Shakespeare nahe. Vorher hatte er selbst ein Theaterstück geschrieben in der japanischen "No-Drama" Tradition. (http://www.templatenetwork.org/topaz/03/de/08.html).

Für Goodman bedeutete diese kreative Tätigkeit eine Herausforderung, da es seine erste Erfahrung auf therapeutischen Gebiet war. Als Lehrerfigur verkörperte er den programmatischen Typus. In der Praxis stieß der unangepaßte, sozialkritische Goodman schnell auf die Grenzen der ehtischen Normen der damaligen Schulpädagogik und erlebte sich als Außenseiter. Er war der Ansicht, daß Kinder durch Erziehung und Schulwesen lernten, "sich gegen sich selbst" zu wenden und ihre spontanen Bedürfnisse zu begraben. Die Gesellschaft sei durch Institutionen verseucht, die die auf sexueller Unterdrückung und verzerrter Aggression durch Bürokratie und Werbung und Krieg basieren.

 
< zurück   weiter >